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raum zur entfaltung: gesprächspsychotherapie

Versuche einmal, den Rauch einer verlöschenden Kerze mit der Hand zu fangen. Ebenso schwierig ist es, die Gesprächspsychotherapie zu beschreiben. Schon mit wenigen Worten sind ihre Grundlagen besprochen. Doch bei etwas genauerer Betrachtung beschreiben diese zu wenig – und das meist auch noch falsch.

zu den fakten

Mitte des vergangenen Jahrhunderts entwickelte der amerikanische Psychologe Carl R. Rogers die „nicht-direktive Psychotherapie und benannte sie bald um in „klientenzentrierte Psychotherapie. In Deutschland spricht man von „Gesprächspsychotherapie“, wenn das Verfahren gemeint ist und vom „Klientenzentrierten Konzept“ wenn die dahinter steckenden Theorien gemeint sind.

Mit „klientenzentriert“ meint Rogers übrigens, dass es in der Therapie nicht um das Problem, sondern um den Klienten geht. Statt ein störungsfreies Verhalten zu trainieren (siehe „Verhaltenstherapie“) oder in der frühen Kindheitsgeschichte nach Gründen zu suchen (siehe psychodynamische Verfahren) will die Gesprächspsychotherapie dem Klienten einen Rahmen bieten, in dem er sich selbst entwickeln und heilen kann.

das menschenbild in der gesprächspsychotherapie

Der menschliche Organismus, so Rogers, ist geprägt von einer „Aktualisierungstendenz“ die danach strebt, sich selbst zu erhalten und zu entfalten. Danach haben wir alle das Bedürfnis, uns „auszuweiten, auszudehnen, zu entwickeln, autonom zu werden, zu reifen“. Doch da wir nicht immer so wertgeschätzt wurden, wie es gut für uns gewesen wäre, entwickelten wir manchmal ein negatives Selbstkonzept. Und aus diesem können seelische Störungen entstehen.

Laut Rogers werden solche Störungen jedoch nicht durch den Ratschlag oder die Unterweisung eines Therapeuten geheilt. Erst wenn wir einen ehrlichen und bedingungslos wertschätzenden Raum zur Entfaltung erhalten, entwickeln wir positive Gefühle und können neue Erfahrungen integrieren.

Rogers selbst hält es da mit dem chinesischen Piilosophen Lao-Tse: „Wenn ich vermeide, mich einzumischen, sorgen die Menschen für sich selbst. Wenn ich vermeide, Anweisungen zu geben, finden die Menschen selbst das rechte Verhalten. Wenn ich vermeide, sie zu beeinflussen, werden die Menschen sie selbst.“

was das für die therapie bedeutet

In der Gesprächspsychotherapie ist nicht der Therapeut der Experte für das Leben des Klienten – sondern dieser selbst übernimmt das Steuer. Der Therapeut hat „nur“ die Aufgabe, einen Raum zu schaffen, in dem sich der Klient ganz natürlich entwickeln kann.

Dieser Raum kann entstehen, wenn die Beziehung nicht-direktiv ist, der Therapeut also nicht mit Ratschlägen oder Deutungen daher kommt oder die Themen vorgibt, über die gesprochen wird.

Die größten Erfolge, so beobachtete Rogers und seitdem viele andere Psychologen, entstehen dann, wenn der Berater genau zuhört, sich in die Welt des Klienten einfühlt und ihm bedingungslos wertschätzend gegenübersteht.

Gelingt dies, erlebt der Klient sich selbst und kann sich entfalten.

Im Rahmen der Therapie wird übrigens nicht nur gesprochen, auch wenn das der Name nahe legt. Gesprächspsychotherapie ist im Rahmen ihrer Grundannahmen völlig frei in der Wahl der Mittel. So können auch Elemente der Schreibtherapie oder der Positiven Psychologie – zum Beispiel auch als Hausaufgaben – ins Spiel kommen. Natürlich ist die Verbindung mit Systemischen Methoden eine häufige und sinnvolle Kombination. 

ziele der therapie

In der Gesprächspsychotherapie geht es also – irgendwie – um alles. Allerdings kann man grob vier Richtungen definieren, die alle anderen Ziele enthalten: 

  1. Weg von Fassaden, also von inneren Sprüchen wie „eigentlich sollte ich“. 
  2. Entwicklung zu mehr Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und Autonomie. 
  3. Entwicklung zu mehr Offenheit für neue Erfahrungen.
  4. Entwicklung hin zu einem besseren Akzepiteren des anderen. 

 Nach Kierkegaard könnte man auch sagen: „Das Selbst zu sein, das man in Wahrheit ist.“ 

Klingt das gut?

gesprächspsychotherapie in der praxis

Auch ein Coaching oder eine kurze Beratung kann in Anlehnung an die Gesprächspsychotherapie erfolgen. Ihre ganze Kraft entfaltet sie allerdings erst im Laufe einer Therapie. Doch dazu müssen wir nach Anamnese und Diagnose gemeinsam der Überzeugung sein, dass dies das richtige Verfahren für dich ist.

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