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schreiben als therapie

 

Irgendwann – etwa mit 16 Jahren – habe ich meinen ersten Artikel für eine Zeitung geschrieben. Und das war vielleicht der beste Zufall in meinem Leben. Denn seitdem hat mich das Schreiben durch gute und schlechte Zeiten begleitet. Doch erst 2013 habe ich die therapeutische Macht des geschriebenen Worts gespürt und seitdem viel darüber gelernt.

meine text-story

Es ist eigentlich keine Überraschung, dass ein Journalist und „Contentman“ (wie ich in der Online-Marketing-Branche genannt werde) Trost  und Kraft in seinem wichtigsten Werkzeug findet. Doch dahinter steckt mehr: Als ich auf meinem unaufhaltsamen Weg in Richtung „50“ in eine Lebenskrise stolperte, war ich alles andere als ein „Autor“ oder „Schreiber“. Neben der technischen und strukturellen Beratung gab ich viele Seminare und formulierte höchstens mal Sachtexte für meinen SEO-Blog oder große Magazine.

Doch dann stieß ich – zum zweiten Mal in meinem Leben – auf das Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Ein eher mittelmäßiges Buch mit etwas zu viel Schmalz und Esoterik für meinen Geschmack. Aber die Übung mit den „Morgenseiten“ machte ich trotzdem. Mit durchschlagendem Erfolg: Schon nach wenigen Tagen hatte ich völlig neue Sichtweisen auf mein Leben und auch den Mut, dies zu ändern. Es brauchte noch einige Monate Zeit, um meinen inneren Kompass neu zu justieren – aber der Anfang war getan.

Dieser unglaubliche Schwung, ausgelöst durch eine 20minütige Schreibpraxis am morgen, machte mich neugierig. Und tatsächlich: Schnell erkannte ich, dass der Weg zur Selbsterkenntnis und Selbsttherapie schon immer in mir geschlummert hatte. Und das ist, nennen wir es, „Schreibtherapie“.

warum schreiben so heilsam ist

Es gibt eine ganze Reihe von wissenschaftlichen und unerforschten Gründen, warum das Aufschreiben von Gedanken und Geschichten einen derart positiven Effekt auf uns Menschen hat. Hier eine Auswahl, die mir besonders plausibel erscheint:

  • Indem wir belastende Erlebnisse und unangenehme Gefühle aufschreiben, verarbeiten wir diese dabei und entlasten damit unsere Seele.
  • Erzählen wir uns selbst unsere „Story“, bekommt sie nachträglich einen Sinn und kann dadurch ein Teil von uns werden.
  • Zu sehr schmerzhaften Ereignissen können wir uns – mit der geeigneten Praxis – eine notwendige Distanz „erschreiben“.
  • Das Führen eines Tagebuchs bringt Struktur und Achtsamkeit ins Leben.
  • Schon das tägliche Aufschreiben von „Drei guten Dingen“ oder eines Danbarkeits-Tagebuchs kann die Stimmung aufhellen und zu mehr Selbstbewusstsein führen.
  • Das Automatische Schreiben beruhigt und fördert manchmal verblüffende aber sehr eingängige und bisher nicht erkannte Gedanken zutage.

Und so weiter. Hinzu kommt noch die weitgehend unerforschte aber sehr plausible Idee, dass „Stories“ – also Geschichten mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende für uns Menschen ganz besonders heilsam sind. Denn schließlich saßen wir Jahrmillionen in Höhlen und haben uns solche Geschichten angehört. Nicht umsonst ist „Storytelling“ eine der Königsdisziplinen im Marketing.

wie man „storyfication“ anwenden kann

Meine Hingabe an das „Schreiben“ hat dazu geführt, dass ich ein ganzes Buch mit dem Titel „Storyfication“ geschrieben – aber niemals veröffentlicht habe. Denn während des Schreibens kam ich zur Überzeugung, dass echte Schreibtherapie nicht in Büchern gelehrt, sondern persönlich erzählt werden sollte.

Für meine Klienten habe ich deshalb eine große Toolbox voller Schreibübungen hergerichtet. Und alle, die sich „nur so“ damit beschäftigen wollen, habe ich auf meinem Blog „Contentman“ einige Artikel dazu geschrieben. Wenn du gleich starten willst, versuche es doch mit einem Tagebuch.

 Wie auch mit der Positiven Psychologie gilt aber: „Schreibtherapie“ ist keine eigenständige Therapieform. Je nach Wunsch und Möglichkeit des Klienten ist das Schreiben aber oft eine sehr gute Ergänzung zur Therapie, Beratung oder Coaching. 

 

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